In den verschiedenen Pilgerforen, in denen ich unterwegs bin, war die Entwicklung parallel zur Nachrichtenwelt: erst ein „was soll die Panikmache?“, Tage später ein „hm, jetzt bin ich doch unsicher ob ich los soll, was wenn ich mich infiziere, da hätte ich schon gerne einen Arzt der meine Sprache spricht“ über ein „kann man das dem Gastland überhaupt zumuten? Man könnte ja versehentlich ein Virus von Stadt zu Stadt tragen“ bis hin zum finalen „ok, der Pilgerurlaub ist gestrichen, ich hoffe dass ich ihn dieses Jahr noch nachholen kann, vielleicht aber auch erst 2021“.

Werden nach Corona mehr Menschen pilgern gehen?

Ich erwarte für 2021 einen enormen Ansturm auf die Pilgerwege. Dafür gibt es fünf Gründe:

Zum einen denke ich dass die Menschen das Bedürfnis haben werden ihren Urlaub in Fortbewegung zu verbringen anstatt statisch im Hotel auf Mallorca zu sitzen.

Zum zweiten werden viele für dieses Jahr geplante Pilgerurlaube nachgeholt werden.

Drittens ist 2021 auch noch heiliges Jahr, was sowieso einen erhöhten Pilgerandrang auslöst.

Viertens werden sich viele Menschen durch diese Krise bewusster werden was ihnen wirklich wichtig ist und auch dass man Träume nicht immer auf ein „später“ verschieben sollte, sondern einfach mal real werden lassen. Und mit dem Gedanken mal pilgern zu gehen, sind wohl viele schwanger.

Und als letzter Punkt sei noch angeführt dass viele Menschen wirtschaftlich sehr gebeutelt aus der Coronakrise hervor gehen werden und Pilgerurlaub sehr günstig durchgeführt werden kann und dies ein zusätzlicher Anreiz ist.

Gibt es dann noch genügend Unterkünfte?

Meiner aktuellen Einschätzung nach ja.

Die staatlichen Herbergen werden wieder eröffnen.

Wie es mit privaten Herbergen und auch mit den kleinen Hotels und Pensionen aussieht, die fast ausschliesslich von Pilgern gelebt haben, ist leider sehr fraglich.

Die Unterkünfte, die ich und andere Pilger bei ihren Pilgerreisen nutzen und die ich meinen Kunden empfehle, sind zu 90% kleine Hotels und Pensionen, die von der Familie oder ganz wenigen Mitarbeitern geführt werden.

Viele von ihnen werden Corona nicht überleben. Es bricht mir das Herz, aber ich befürchte dem ist einfach so und wir können auch jetzt nichts für sie tun.

Wir können nur in der Nach-Corona-Zeit, wenn es wieder sicher für uns und für die Gastländer ist pilgern zu gehen, los ziehen und ihre Zimmer wieder belegen. Dafür sorgen dass sie ihre Kredite zurück bezahlt bekommen.

Ich werde versuchen die Hotels und Pensionen zu empfehlen, die es auch vor Corona schon gab und die eine schwere Zeit hinter sich haben, aber es geschafft haben irgendwie zu überleben.

Was heisst das für mich als Pilger?

Zunächst einmal ist es nur eine Theorie dass 2021 viele Pilger losziehen werden. Vielleicht täusche ich mich da auch und der Effekt ist ein ganz anderer, das ist derzeit nicht absehbar.

Sollten tatsächlich viele Unterkünfte schliessen müssen, könnte es zu bestimmten Stoßzeiten oder auch in der Anfangszeit einen Mangel an Zimmern geben. Das erfordert dann etwas mehr Planungsaufwand, ist aber definitiv kein Hindernis.

Ich bin mir sicher dass sehr viele neue Hotels und Pensionen eröffnen oder bestehende wiedereröffnet werden sobald die Pilgerströme wieder fliessen. Bis dahin kann es sinnvoll sein Unterkünfte vorab zu reservieren und nicht spontan zu buchen, aber ob das notwendig sein wird, kann man auch erst sagen wenn es soweit ist.

Es sollte niemanden davon abhalten seinen Pilgertraum endlich zu erfüllen, denn sollten tatsächlich zeitweise mehr Pilger als Schlafplätze da sein, bezieht sich das nur auf spezielle Zeiten und wird kein grundsätzliches Problem sein. Dann braucht es einfach nur ein bisschen mehr Flexibilität.

Sobald die Lage wieder kalkulierbarer wird, werde ich hier Artikel über die Lage vor Ort und empfohlene Reisezeiten und Wege schreiben.

Bis dahin: bleibt gesund (und bleibt zu Hause)!