Sollte man jetzt einen Pilgerurlaub machen?

Update

Stand heute (13.03.) kann ich niemandem empfehlen noch los zu fliegen.

Die Lage hat sich so sehr geändert dass ich es für unverantwortlich befinde in den nächsten Wochen noch nach Spanien oder Portugal zu fliegen.

Liebe Pilger, bitte tretet unter den aktuellen Umständen eure Reise nicht an. 

Das spanische Gesundheitssystem ist über seinem Limit und kann keinen Pilger extra brauchen – weder mit Corona, noch mit verstauchtem Knöchel.

Portugal ist bisher kaum von Corona betroffen und es liegt mit an uns dass dem auch so bleibt. Jetzt dort potenziell infiziert einen Virus von Stadt zu Stadt zu tragen wäre egoistisch und unverantwortlich.

Wenn Corona überstanden ist, brauchen uns die kleinen Pensionen und Hotels aber umso dringender. Deswegen empfehle ich hier nach dem Motto zu agieren „ein Camino ist nie abgesagt, sondern immer nur aufgeschoben“.

Ist pilgern vielleicht die beste Art derzeit Urlaub zu machen?

Beim pilgern sind wir den ganzen Tag an der frischen Luft, das ist schon mal eine ziemlich gute Sache. Denn Corona verbreitet sich natürlich da am schnellsten wo Menschen auf engem Raum zusammen sind, weswegen Kreuzfahrten gerade nicht ganz so hoch im Kurs sind.

Den Tag aber mit großem Abstand zu anderen Menschen in der Natur zu verbringen, ist wohl das beste was man tun kann, wenn man Angst hat sich zu infizieren.

Wäre da nicht die Sache mit den Pilgerherbergen und Schlafsälen. Die gute Nachricht ist aber dass man diese ganz einfach vermeiden kann, in dem man  in Hotels und Pensionen schläft.

Klar sind die etwas teurer als die Herbergen, aber im Vergleich zu hier sind sie sehr günstig und gerade wenn es darum geht abzuwägen welche Art von Urlaub man in Zeiten der Corona-Krise überhaupt macht, bleibt damit pilgern bzw. fernwandern immer noch mit die günstigste Variante.

Wenn es keine Pauschalreise ist, bleibe ich dann bei einer Coronabedingten Stornierung nicht auf den Kosten sitzen?

Ja, erstmal schon.

Allerdings kommt auch hier wieder ein Vorteil des Pilgerns ins Spiel: ausserhalb der Hochsaison müssen Unterkünfte nicht vorab gebucht werden, sondern es reicht normalerweise aus diese vor Ort ein bis zwei Tage vorher zu buchen.

Damit entstehen auch keine Stornierungskosten wenn man die Pilgerreise nicht antritt, sei es weil man selbst erkrankt, in Quarantäne gesteckt wird, es Reisebeschränkungen gibt oder der Flug gestrichen wird.

Lediglich die Flugkosten sind meistens nicht erstattbar, wobei z.B. Ryanair die Möglichkeit bietet für überschaubares Geld umzubuchen, so lange man noch nicht eingecheckt hat.

Von daher halte ich das Risiko auf großen Reisekosten hängen zu bleiben, sollte man nicht losfliegen können für gering.

Ist pilgern also wirklich der perfekte Urlaub in Zeiten von Corona?

Fast. Denn die bekannten Jakobswege in Frankreich, Portugal und Spanien sind nur per Flugzeug gut zu erreichen und da haben wir dann doch wieder einen Ort, an dem Menschen dicht gedrängt sind.

Das Flugzeug-Risiko haben wir aber bei unglaublich vielen Reisen. Und wenn man Pilgerurlaub im Vergleich zum Pauschalurlaub im Mallorquinischen Hotel oder zu Städtereisen setzt, dann zeigen sich die vielen Vorteile die pilgern bzw. fernwandern hier als Urlaubsform hat.

Was für Risiken gibt es noch?

Derzeit ist die Lage furchtbar unübersichtlich, man kann nicht mal sinnvolle Prognosen darüber treffen wie die Lage in zwei Wochen sein wird.

Ich will selbst in 12 Tagen nach Lissabon fliegen und dort zwei Wochen lang den portugiesischen Jakobsweg laufen. Aktuell (Stand 10.03.20) hat Portugal 39 bestätigte Coronafälle und es gibt innerhalb der EU keinerlei Reisebeschränkungen.

Aber niemand kann mir sagen wie es in 12 Tagen aussieht, ob Portugal mich dann überhaupt haben will, wenn ich aus NRW stamme und dort die meisten deutschen Coronafälle aufgetreten sind. Ob Ryanair fliegt oder die Flüge streicht.

Das Risiko nicht losfliegen zu können, besteht in den Coronazeiten aber bei jeder geplanten Reise und wie oben beschrieben ist Pilgern noch mit die risikoärmste Form der Individualreise wenn es darum geht auf Stornierungskosten sitzen zu bleiben.

Und was wenn man sich doch vor Ort infiziert oder in Quarantäne muss?

Dann ist dem halt so. Dann ist man immer noch in Europa und hat gewisse medizinische Standards. Und ehrlich gesagt habe ich nicht das Gefühl dass ich im kaputtgesparten deutschen Gesundheitssystem wirklich besser aufgehoben wäre als in einem portugiesischen Krankenhaus.

Ist des denn vertretbar zu pilgern während versucht wird die Verbreitung einzudämmen?

Diese Frage beschäftigt mich gerade sehr.

Ganz persönlich halte ich es nicht für vertretbar in Schlafsälen zu nächtigen und dort das Virus an Menschen aus der ganzen Welt weiterzugeben, da ist einfach grade nicht die passende Zeit für. Zumal aktuell sowieso viele staatliche Herbergen vorsorglich geschlossen haben oder die Anzahl der Gäste stark limitiert haben.

Aber auch Hotelpilger ziehen von Stadt zu Stadt und haben dort Kontakt zu Einheimischen und Mitpilgern. Das Risiko andere anzustecken lässt sich zudem über entsprechende Hygienemaßnahmen eindämmen, aber es bleibt nun mal faktisch vorhanden.

Deswegen ist das eine Frage die letztendlich jeder für sich selbst beantworten muss.

Fazit

Wer ganz auf Nummer sicher gehen will sollte sich natürlich einen Pilgerweg suchen der ohne Flugzeug erreichbar ist, aber dem entgeht dann auch die Schönheit der portugiesischen Küste oder der galizischen Eukalyptuswälder.

Ob das Risiko vertretbar ist unerkannt einen Virus zu verbreiten, das ist eine Frage, die sich selbst gerade nicht zufriedenstellend beantworten kann.

Im Vergleich zu anderen Reiseformen scheint mir aber Pilgerurlaub mit Hotelübernachtungen zu Coronazeiten für den Reisenden sogar die beste Wahl zu sein.