Geht das? Ja, aber es braucht etwas mehr Planung und ein bisschen mehr Budget.

Was heisst denn „coronasicher pilgern“?

Für mich bedeutet das sich von potenziellen Tröpfchen und Aerosolen fern zu halten. Etwas konkreter:

  • keine Gemeinschaftszimmer und keine Gemeinschaftsbäder ohne richtige Lüftung
  • keine öffentlichen Verkehrsmittel mit Ausnahme des Taxis
  • kein Aufenthalt über 15 Min in mit anderen genutzten, geschlossenen Räumen. Also auch keine Mahlzeiten in Gebäuden.

Ja, ich gebe zu, meine Kriterien sind da recht streng, aber nur wenn man auch die Aerosole als vollwertige Infektionsquelle berücksichtigt ist es auch sicher.

Ein kurzer Live-Test auf einem deutschen Jakobsweg

Getestet habe ich das coronasichere Pilgern auf dem Jakobsweg von Köln bzw Bonn nach Trier. Es war ein sehr spontaner Versuch, den ich nach gerade mal zwei Etappen schon abgebrochen habe.

Hotelübernachtungen an sich sind kein Problem, ich habe schon immer als erstes alle Lichtschalter und Fernbedienungen desinfiziert und das Zimmer durchgelüftet. Beim laufen ist sowieso alles sicher.

Die Ernährung sowie die An- und Abreise gestalten sich schwieriger.

Schon nach meiner ersten Nacht in Bad Münstereifel stellte ich fest dass mir bei Nieselregen niemand draussen etwas zu Essen geben möchte, es gab aber zum Glück noch eine Bar mit Markise, die mich mit ein paar Bratkartoffeln versorgt hat. Auch das Frühstück am nächsten Morgen, was laut Hotel draussen möglich sein sollte, wurde wetterbedingt nach drinnen verlegt. In einen kleinen Raum, mit 5 anderen Menschen und ohne ein geöffnetes Fenster. Das war anders geplant.

Am zweiten Abend in Blankenheim war das Wetter zum Glück besser, aber für den dritten Abend hätte es in dem Ort nur ein einziges Restaurant gegeben und keinerlei anderer Lebensmittelversorgung und da habe ich den Versuch abgebrochen (es hatte allerdings auch ein wenig damit zu tun dass die Eifel noch bergiger war als erwartet und ich untrainierter als ich dachte).

Pilgerweg Eifel

Ich musste feststellen: coronasicher pilgern geht nur wenn man einen Supermarkt und/oder Bäcker im Ort hat, so dass man sich mit Brot&Käse oder ähnlichem versorgen kann, wenn es wetterbedingt nicht möglich ist draussen zu essen. Das klingt nicht nach viel Anforderung, in der Eifel kann der nächste Supermarkt aber gerne mal 15km weit weg sein.

Meinen Kriterien für coronasicheres pilgern war dieser Jakobsweg nicht gewachsen.

Anreise mit dem Mietwagen

Neben der Ernährung bleibt die Herausforderung der An- und Abreise ohne öffentliche Verkehrsmittel. Das schöne am fernwandern ist ja dass man nicht abends da ankommt wo man morgens los gelaufen ist. Deswegen sind unter Normalbedingungen Orte mit Bahnhöfen optimal. Währen Corona bieten sich da, für alle die auf Nummer sicher gehen wollen, eher Orte mit Mietwagenstationen an.

Es bleiben zwei Möglichkeiten: die Kombination aus dem eigenen Auto und einem Mietwagen oder je ein Mietwagen pro Strecke. Das bedeutet dass Start und Ziel Mietwagenstationen haben müssen und zwar von einem Anbieter, der Oneway-Mieten anbietet und – je nach Entfernung – auch noch eine passende Inklusivkilometerzahl anbietet.

Ich persönlich halte reisen mit der deutschen Bahn für nicht sicher, ich höre von allen Seiten dass die Maskenpflicht nicht eingehalten und nicht kontrolliert wird und meiner bisherigen Recherche nach haben zumindest die meisten Züge auch noch eine Umluftklimaanlage. Wenn man bereit ist die Bahn zu nutzen, wird es natürlich direkt unkomplizierter.

Gibt es sichere Optionen auf anderen deutschen Jakobswegen?

Ich habe mich auf weiteren deutschen Jakobswegen umgeschaut und bisher ist mir leider noch kein Wanderweg begegnet, bei der ich über längere Zeit (also mehrere Wochen) die Strecke so planen konnte, dass immer nach 20-30 km (meinem persönlichen Komfortbereich, im Hochsommer auch lieber nicht ganz so nah an der 30) ein Ort war, der sowohl ein günstiges Hotel als auch einem Supermarkt (alternativ: ein Bäcker und ein Restaurant oder Imbiss mit Take-Away-Essen) hatte. Also die Möglichkeit bei geschlossenen Aussenbereichen dennoch an Frühtstück und (improvisiertem)  Abendessen zu kommen. Auf Nachfrage packen einem einige Hotels auch das Frühstück als Lunchbag ein, das ist dann natürlich die komfortabelste Lösung, aber darauf verlassen würde ich mich nicht.

Ich bin noch dabei mir alle deutschen Jakobswege im Detail anzuschauen, ich hoffe da noch passende Strecken zu finden, bei denen man auch mehr als eine Woche am Stück coronasicher wandern kann.

Coronasicher pilgern von Bremen nach Osnabrück

Auch wenn ich noch keine Strecke gefunden habe auf der man mehrere Wochen laufen kann, für eine gute Woche habe ich – mit eher kurzen Etappen weil ich es im Hochsommer laufen will und keine Frühaufsteherin bin – einen Abschnitt der Via Baltica geplant (ich bin mir allerdings immer noch nicht sicher ob dieser Teil auch Via Baltica heisst, spielt aber auch keine Rolle, es ist ein Jakobsweg). Die Etappen sind teilweise zu kurz, da mir 30km und mehr pro Tag aber zu viel sind, blieb nur diese Aufteilung wenn man sicher gehen will dass die Verpflegungslage gut ist.

Die Hotelpreise schwanken natürlich (hier angegeben sind Preise für ein EZ an einem zufälligen Datum Ende August), da gilt es dann vor Abreise nochmal zu schauen was zu welchen Konditionen frei ist. Wer mag kann es gerne nach, bzw vor-wandern, wobei ich natürlich keinerlei Garantie übernehmen kann ob alle Angaben stimmen und erst Recht nicht über Coronainfektionen während des Pilgerurlaubs 🙂

Tag 1:
Anreise mit dem Mietwagen nach Bremen
Mietwagenstationen direkt in der Innenstadt gibt es von Sixt und Europcarx
Hotels: u.a. Ibis Budget 45€ (Link), Buthmann 47€ (Link) oder GastHaus Hotel 48€ (Link)
Verpflegung: im Überfluss vorhanden

Tag 2:
Bremen – Kirchweyhe 15km
Hotels: Kirchweihen Hof 34€ (Link), Asia world 64€ (Link)
Verpflegung: Kirchweye verfügt über mehrere Supermärkte, Bäcker und Restaurants. Outdoor frühstücken lässt sich zB im Bistro Chatcha (Link), draussen zu Abendessen bspw im „Garbs am Markt“ (Link) oder Restaurant Vivaldi (Link)

Tag 3:
Kirchweye – Harpstedt 26 km
Hotels: Bürgerstuben 37€ (Link), Akzent 65€ (Link)
Verpflegung: Harpstedt hat einen Aldi und einen Inkoop Supermarkt. Draussen zu Abend essen kann man zB im Charisma (Link) oder man holt sich etwas beim Imbiss oder Dönerladen

Tag 4:
Harpstedt – Wildeshausen 13km
Hotels: Landhaus am Fillerberg 50€ (Link),  Wildeshausener Bahnhof 50€ (Link) oder Wildeshauser Hof 59€ (Link)
Verpflegung: Neben einem Netto-Supermarkt gibt es mehrere Bäckereien. Draussen zu Abend essen kann man hier in verschiedensten Restaurants z.B. am Marktplatz (den Ratskeller habe ich schon getestet und für gut befunden), es gibt aber auch einen Dönerladen oder einen Asia-Imbiss mit Essen zum Mitnehmen.

Tag 5:
Wildeshausen – Visbek 18km
Da Visbek weder günstige Hotels noch eine gute Gastronomie-Auswahl hat, könnte man überlegen direkt die 33km bis Vechta zu laufen und diese Station zu überspringen.
Hotels: Hotel Mensing 58-68€ (Link), Airbnb-Ferienwonung für 70€ (Link), Hotel Deern 75 (Link)
Verpflegung: es gibt mehrere Supermärkte, allerdings relativ wenig Gastronomie mit Aussenbereich. Es gibt aber Imbisse bei denen man auch Essen mitnehmen kann, zb bei Selin`s Pizzeria (Link) oder Pizzeria Mamma Mia (Link)

Tag 6:
Visbeck – Vechta 15km 
Hotels: in Vechta gibt es verschiedene Hotels um die 50€, die alle zentral und gut bewertet sind. zB Link, Link oder Link
Verpflegung: Vechta hat mehrere Supermärkte und Bäckereien. Draussen essen kann man zB bei der Gaststätte Elmensdorffburg (Link), bei der Pizzeria Spizzico (Link) oder im Restaurante Pomodoro (Link)

Tag 7:
Vechta – Steinfeld 21km
Hotels: die Lage ist hier leider nicht sehr gut. Es gibt eine AirBnb-Wohnung für 74-84€ inkl Gebühren (Link) und Maxis Hotel, zu dem sich aber leider bisher wenig herausfinden liess (Link) sowie ein Bed&Breakfast, welches allerdings die gleiche Adresse wie Maxis Hotel hat (Link)
Verpflegung: es gibt mehrere Supermärkte und Bäcker. Essen mitnehmen kann man zB beim Istanbul Kebap Haus (Link) oder bei Euro Döner (Link) oder Mevlana Pizzeria (Link)

Tag 8:
Steinfeld – Neuenkirchen-Vörden 21km
Hotels: zum schwarzen Ross 45€ (Link) oder Pension Dalinghaus 64€ (Link)
Verpflegung: Es gibt einen Combi Supermarkt und zwei Bäcker. Im Aussenbereich zu Abend essen kann man in der Pizzeria Il Gusto (Link) oder im Gasthof Wellmann (Link)

Tag 9:
Vörden – Osnabrück 19km
Hotels: z.B. Hotel am Nikolaiort 59€ (Link) oder Dom Hotel 56€ (Link)
Verpflegung: mehr als ausreichend vorhanden

Tag 10:
Rückfahrt.
Die Mietwagenstationen in der Innenstadt sind von Sixt und Europcar

Über Berichte oder Erfahrungsaustausch zum Thema „Pilgern während Corona“ freue ich mich sehr: hallo@wandern-auf-pilgerwegen.de